Kormorane lassen sich im Bonner Raum mittlerweile wieder häufig an Rhein und Sieg beobachten. Wenn sie schwimmen, liegen sie tief im Wasser und aus der Ferne ist oft nur der aus dem Wasser ragende, lange Hals mit dem emporgereckten Kopf zu erkennen. Als spezialisierte Fischjäger können Kormorane bis zu 90 Sekunden lang und bis zu 30 Meter tief tauchen. Dabei erbeuten sie Kleinfische von meist 10 bis 15 cm Länge, die sie mit ihrem typischen Hakenschnabel greifen und nach dem Auftauchen mit dem Kopf voran verschlucken. Da sie ihr Großgefieder nicht einfetten, saugt es sich schnell mit Wasser voll, was die Vögel schwerer macht und ihnen das Tauchen erleichtert. Daher sieht man Kormorane oft mit ihren weit ausgebreiteten Flügeln an wind- oder sonnenexponierten Stellen, wo sie sich nach ihren Tauchgängen trocknen, bevor sie ihre Nester oder Schlafplätze anfliegen.
Kormorane waren in Deutschland über viele Jahrzehnte hinweg aufgrund intensiver Bejagung bis auf wenige Brutpaare so gut wie ausgestorben. Erst durch die konsequente Umsetzung der EG-Vogelschutzrichtlinie von 1979 haben sich die Bestände wieder deutlich erholen können und wieder auf etwa 24.000 Brutpaare in Deutschland stabilisiert, ohne weiter zuzunehmen. Im Großraum Bonn gibt es zum Beispiel wieder stabile Brutkolonien am Sieglarer See bei Troisdorf oder auf Nonnenwerth. Gelegentlich gibt es sogar Brutversuche in der Bonner Rheinaue, wo sich die Vögel dann unmittelbar am Nest beobachten lassen. Auch als Durchzügler und Wintergast ist der Kormoran wieder häufig bei uns zu beobachten. Während des Flugs wirkt der Kormoran mit seinem langen Hals, dem relativ langen Schwanz und den schlanken, spitzen Flügeln wie ein Kreuz am Himmel. Schon im August ziehen Trupps von bis zu sechzig Vögeln in typischen V-Formationen nach Westen bis an die Küste. Diese Formationen sollte man nicht mit durchziehenden Kranichen verwechseln, die mit ihren deutlich langsameren Flügelschlägen, den runderen Flügeln und den lang herausragenden Beinen meist erst im Oktober oder November bei uns durchziehen.

Dass die deutliche Zunahme des Kormorans in den letzten Jahren nicht unumstritten positiv gesehen wird, zeigen die Versuche von Anglern und Behörden, z.T. drastische Maßnahmen zur Bestandsregulation durchzuführen. So werden in Deutschland jährlich etwa 15.000 Kormorane geschossen. Das aktuelle Beispiel zum Abschuss von Kormoranen an der Sieg im Herbst 2009 zeigt, wie wenig belastbar die Argumente der Angler und Behörden hierzu sind. Naturschutzorganisationen wie der BUND NRW und das Komitee gegen den Vogelmord e.V. hatten daher erfolgreich gegen die Abschussgenehmigung des Rhein-Sieg-Kreises geklagt (siehe Pressemeldung des Komitees gegen den Vogelmord vom 7.10.2009). "Es kann nicht sein, dass der Kormoran als Sündenbock für einen jahrzehntelang fehlgeleiteten Gewässerschutz herhalten muss", so Alexander Heyd vom NABU Bonn dazu."Dass zum Beispiel die Äsche in der Sieg sehr selten geworden ist, hängt eher damit zusammen, dass sich die Fließgeschwindigkeiten des Flusses und auch die für junge Äschen wichtigen Geschiebemassen durch den Bau von Staudämmen deutlich verändert haben. So sind die Bestände der Äsche in Deutschland schon vor der starken Zunahme des Kormorans in den achtziger und neunziger Jahren schon deutlich zurückgegangen." Der NABU setzt sich daher für den Erhalt natürlicher Flusslandschaften und die ökologische Verbesserung unserer Fließgewässer ein. Auch gibt es nachhaltigere Maßnahmen, um mögliche wirtschaftliche Schäden durch den Kormoran bei der kommerziellen Fischerei zu vermeiden. So ist die Ausweisung von umfangreichen, jagdfreien Ruhezonen für Wasservögel sinnvoll, die auch durchziehende und überwinternde Kormorane vorrangig anziehen. Fischteiche lassen sich auch mit gut sichtbaren, weitmaschigen Netzen abdecken, was ebenfalls eine effektive Maßnahme darstellt.
Wer mehr über diese faszinierenden Vögel erfahren möchte, sollte an einer der vielen Exkursionen des NABU Bonn zu den Gewässern in der Umgebung teilnehmen, um dort Eindrücke und Information aus erster Hand zu sammeln. Das aktuelle Exkursionsprogramm finden Sie hier.
Frank Wissing