Bedrohte Art in der Feldflur - Vogel des Jahres 2026
Das Rebhuhn
Girrkäh ruft das Rebhuhnmännchen, um sein Revier zu verteidigen. Dieser charakteristische Laut ist einst ein vertrauter Klang unserer Agrarlandschaften gewesen – heute wird er immer seltener. Dass der Lebensraum des wohl beliebtesten Glattfußhuhns dringend Schutz braucht, darin sind sich viele Nabu-Mitglieder einig: mit 44,5 % wurde die fasanenartige Tierart noch vor Amsel, Waldohreule, Schleiereule und Zwergtaucher zum Vogel des Jahres 2026 gewählt.
Seit 1980 ist der Bestand der Rebhühner in Deutschland um 87% zurückgegangen. In Nordrhein-Westfalen gibt es, auch dank des Jagdverbots, mit durchschnittlich 0,66 Brutpaaren pro Quadratkilometer zwar noch vergleichsweise höhere Dichten, doch auch hier liegt der Wert deutlich unter früheren Beständen. Zum Vergleich: Der bundesweite Durchschnitt lag 2019 nur bei 0,28 Brutpaaren.
Das Rebhuhnmonitoring NRW konnte durch eine deutliche Ausweitung der Zählrouten (von 120 auf 460 innerhalb von 3 Jahren) für das Jahr 2025 stichprobenartig 196 Routen mit Rebhühnern und rund 1,2 Paarungsgebiete pro Route ausmachen. Im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis werden aktuell noch 20-40 Brutpaare gezählt – ein kleiner Hoffnungsschimmer in einer gesamt ernsten Lage.
Rebhühner bevorzugen strukturreiche Agrarlandschaften: Äcker und Wiesen, Brachen, Blüh- und Altgrasflächen. Besonders wichtig sind vielfältige Kulturfolgen nach Grasnutzung, Wildkräutersamen und Getreide-ausschüttungen. Die Küken sind in den ersten Lebenswochen auf Insekten als Eiweißquelle angewiesen. Die Rebhühner im Raum Swisttal profitieren besonders von der Anlage vieler Brachen und von Ernteverzichtsflächen.
Mit seinem hellgrauen Bauch und dem dunkelbraunen hufeisenförmigen Flecken auf der Brust, ist das männliche Rebhuhn im Dickicht der Gräser gut getarnt. Man kann es vor allem bei der Nahrungssuche in der Gruppe oder beim Sandbad entdecken.
Das Rebhuhn steht sinnbildlich für die fragile Balance zwischen menschlicher Nutzung und tierischem Lebensraum. Intensive Landwirtschaft, der Verlust von Hecken und Brachen sowie der Einsatz von Pestiziden machen Rebhühner für ihre natürlichen Fressfeinde leichter auffindbar. Der Rückgang von Wildkräutern und Insekten macht es insbesondere den Jungvögeln schwer zu überleben.
Was können wir als Naturfreund*innen konkret tun, um den Rebhuhnruf wieder häufiger zu hören? Neben dem politischen Engagement für eine pestizidfreiere, vielfältigere Agrarlandschaft, gibt es die Möglichkeit selbst Hand anzulegen, beispielsweise auf unserem Wildkrautacker in Dünstekoven, wo dank traditionellen Ackerbaus und der Saat vieler Wildkräuter, ein Lebensraum für allerlei Feldvögel – Feldlerche, Wachtel und auch Rebhuhn – geschaffen wird. Wir freuen uns jederzeit auf tatkräftige Unterstützung.

